Produkte:

  • KEIM Universalputz
  • KEIM Unikristalat
  • KEIM Granital 
  • KEIM Dolomitspachtel 
  • KEIM Soliprim 
  • KEIM Biosil 
  • KEIM Innostar

Bautafel

Bauherr: 
Freistaat Bayern – Zentrum Staatbäder Bayern, Bad Steben
www.immobilien.bayern.de 

Architekt:
Architekten BDA, Diplomingenieure
Gerhard Grellmann / Rainer Kriebel / Christian Teichmann, Würzburg 
www.gkt-architekten.de 

Verarbeiter (u. a.):
FUCHS+GIRKE Bau und Denkmalpflege GmbH, Ottendorf-Okrilla
www.fuchs-girke.com 

Dort, wo die Könige badeten...

Es liegt immer noch ein besonderes Flair in der Luft der historischen Räume des Luitpoldbads im unterfränkischen Bad Kissingen, wo einst Könige und Kaiser Bäder nahmen. Auch nach einem jahrzehntelangen Leerstand und einer umfangreichen Instandsetzung blieben viele historische Bereiche des Gebäudekomplexes mit ihrer besonderen Atmosphäre erhalten. Die Maßnahmen gingen Hand in Hand mit dem Amt für Denkmalpflege und konnten das Bad, das heute Behörden als Arbeitsplatz dient, vor dem Verfall bewahren. Eine umfangreiche Herausforderung.

Eines der Größten in Europa
Zu den historischen Kurgebäuden im Staatsbad Bad Kissingen in Unterfranken gehört das Luitpoldbad. Eine bürgerliche Aktiengesellschaft ließ es in den Jahren 1868 bis 1871 als eingeschossige, U-förmige und nach Norden offene Dreiflügelanlage mit Eck- und Mittelpavillons nach Plänen des Architekten Albert Geul im Baustil der Neorenaissance errichten. Heinrich Hügel ergänzte den Komplex 1878 bis 1880 mit einem zweigeschossigen Kursaal, in dem sich heute die Bayerische Spielbank Bad Kissingen befindet. Ende des 19. Jahrhunderts erwarb das bayerische Königshaus den Gebäudekomplex. Zu dieser Zeit war die Nachfrage der Badegäste so groß, dass Prinzregent Luitpold von Bayern die beiden Seitenflügel von 1902 bis 1906 um ein zweites Geschoss aufstocken und erweitern ließ. Mit einer Länge von 140 Metern und 80 Metern Breite war das Bad damit eine der größten Einrichtungen dieser Art in Europa.

Nachnutzung – aber wie? 
Doch im Laufe der Zeit ließ die Nachfrage nach einem Badehaus nach, das Luitpoldbad wurde Ende der 1980er Jahre geschlossen und stand etwa 25 Jahre leer. Es gab viele Diskussionen über eine Nachnutzung. Pläne für den Verkauf an private Investoren scheiterten aus Kostengründen, sodass der Eigentümer Freistaat Bayern und die Stadt Bad Kissingen 2011 entschieden, das denkmalgeschützte Bauwerk aufwendig zu sanieren und zu restaurieren, um es auch für eigene Zwecke, nämlich als Behördenzentrum, zu nutzen. Nach einem so langen Leerstand eine Herausforderung.

Denkmalkompetenz erwünscht
Bis die Behörden einziehen konnten, war es ein weiter Weg, denn die Zeit hatte ihre Spuren hinterlassen. Anfang 2013 erhielt das Würzburger Architekturbüro Grellmann, Kriebel, Teichmann nach europaweiter Ausschreibung den Auftrag zur Umbauplanung. Das Architekturbüro hatte bereits andere historische Kurgebäude in Bad Kissingen saniert und brachte somit einen großen Schatz an Erfahrungen mit. „Wir beschäftigen uns zu etwa 70 Prozent mit denkmalgeschützten Gebäuden. Historische Projekte dieser Größe sind unser tägliches Brot“, so Christian Firlus, Diplom-Ingenieur und Begleiter des Projekts des gkt Architekturbüros.
 
Unzureichende Statik 
Die Raumstruktur des Bades ermöglichte zwar eine Büronutzung unter weitgehender Beibehaltung der Bausubstanz, jedoch wies die Statik erhebliche Mängel auf. „Die Gebäudedecken, Stahlträgerkappendecken, insbesondere die, die sich über dem Keller befanden, waren nach mehr als 100 Jahren auch aufgrund der ständigen Belastungen durch Hochwasser korrodiert und nicht mehr tragfähig. Sie mussten ersetzt werden“, erklärt Christian Firlus. Bei den Geschossdecken in den oberen Etagen war es ähnlich, Soledämpfe schadeten dem Stahlträger sehr, sodass auch hier die Bestandsdecken entfernt und Betondecken eingezogen wurden. 

Vor Hochwasser geschützt und teilentkernt
Das Luitpoldbad liegt wie weitere Teile von Bad Kissingen im Überschwemmungsbereich der Fränkischen Saale. Dies führt dazu, dass das Hochwasser immer wieder die Sockelzone des Luitpoldbades erreicht. „Wir haben das Gebäude im Bereich der Erdgeschossdecke durchgesägt und Edelstahlbleche eingetrieben, um eine Horizontalsperre zu erreichen, damit die Feuchte nicht in die weitere Wandkonstruktion aufsteigen kann“, erläutert Firlus. Gleichzeitig schützt ein Dammbalkensystem gegen das direkte Eindringen des Hochwassers in das Gebäude. Aus Kostengründen entschieden sich die Verantwortlichen ebenfalls dafür, die drei weniger wertvollen Zwischengebäude des Komplexes komplett zu entkernen, die qualitätsvolleren Eckrisalite sowie die beiden Vestibüle mit den „Prachttreppenhäusern“ zu erhalten und hier nur teilweise sowie nach und nach marode Bauteile im Bestand auszutauschen.

Rekonstruiert, restauriert und ausgezeichnet
Eine besondere Herausforderung stellten die beiden historischen Stahl-Guss-Treppenhäuser von Joly Wittenberg der Vestibüle dar: Die gesamte gusseiserne Treppenkonstruktion wurde restauriert und zum Teil rekonstruiert. Firlus erinnert sich: „Wir stellten fest, dass unter einer Putzverblendung eine tolle bauzeitliche gusseisernen Konstruktion zu finden war und entschlossen uns, die abgeschnittenen Geländerstäbe anhand eines Katalogs von 1905 wieder neu gießen zu lassen. Damit ließ sich der ursprüngliche Raumeindruck wiederherstellen.“ Für diese Leistung bekam das Luitpoldbad die Silbermedaille des Bayerischen Denkmalpreises 2018 verliehen. Die Jury hob die Entscheidung der Tragwerksplaner hervor, die Tragfähigkeit der Treppenkonstruktion mit Vor-Ort-Messungen zu ermitteln, da ein reiner rechnerischer Nachweis der Statik nicht geführt werden konnte und eine reduzierte Nutzung der Treppen die Folge gewesen wäre.
Heute beeindrucken die Treppenhäuser darüber hinaus mit ihren Oberlichtern aus Buntglasscheiben und sorgen für eine ganz besondere Atmosphäre. Die historischen Buntglasoberlichter erfuhren ebenfalls eine Reinigung und eine Restaurierung, um sie dann unter einem Aluschutzglasdach wieder einzubauen. Auch die Jugendstilbuntglasmalerei der südlichen Eckpavillons in Form von zwölf Bleiglas-Rundbogenfenstern liegt nun restauriert hinter einer Wärmeschutz- und Sicherheitsverglasung. Weiter konnten bauzeitliche Terrazzoböden, satinierte Holz-Glastüren, Rabitz- und Gewölbedecken, die zum Teil mit Edelstahlabhängungen gesichert wurden, erhalten werden.

Bröckelnder Putz und Überstreichungen
Die Putzflächen im Innenbereich hatten über die Jahrzehnte gelitten und wiesen Risse und Fehlstellen auf. Zunächst ging es darum, alte Dispersions- und Ölfarben zu entfernen. In den beiden großen und repräsentativen Treppenhäusern zum Beispiel war ein beigefarbener Anstrich zu finden. Hier bestand die Denkmalpflege darauf, die historischen Putze von 1870 zu erhalten. „Weil aber einige Bereiche des Putzes keine ausreichende Haftung zum Mauerwerk hatten und sich zu lösen drohten, haben wir hier ein restauratorisches Festigungsmittel injiziert“, erklärt Restaurator Harald Straßburger von der ausführenden Firma Fuchs + Girke, ein Spezialbetrieb für Denkmalpflege aus Sachsen. Dann wurden größere Fehlstellen verputzt und die Fläche insgesamt mit KEIM Soliprim grundiert. „Es folgte eine dünne Schicht KEIM Dolomitspachtel, in die wir ein Vlies zur Bewehrung einlegten, um abschließend die Farbe aufzutragen“, erläutert der Experte. Im Vorfeld führte Restaurator Stefan Lochner eine Farbuntersuchung durch und fand kleine Teile der Originalfassungen von 1905. Einer Musterachse entsprechend wurden die Farben dann hergestellt und die Wände und Decken der Treppenhäuser mit KEIM Biosil farblich aufeinander abgestimmt gefasst. Entsprechend des historischen Befunds dominieren nun in den beiden Treppenhäusern verschiedene Grüntöne. „Insgesamt dauerten diese aufwendigen Arbeiten über ein Jahr“, erinnert sich der Restaurator. 
Auch an der Sandsteinfassade befand sich der Putz teilweise in einem bedauernswerten Zustand. Christian Firlus erklärt die Vorgehensweise: „Die entfestigten, in mehreren Schichten aufgetragenen Putze konnten wir zum Teil halten, indem wir sie mit einem Armierungsgewebe überzogen haben. Leider gab es auch Putzbereiche, die wir gar nicht halten konnten, da der Putz sich so vom Mauerwerk gelöst hatte, dass wir diesen ganz abnehmen mussten. Stellenweise fehlten hier drei bis vier Quadratmeter Putz. Die ausgebesserten und überarbeiteten Putzflächen fassten die Handwerker dann mit KEIM Granital. Wir wählten KEIM Granital als Dispersionssilikatfarbe für die Fassade, da der alte Anstrich ebenfalls Anteile einer Dispersion enthielt. Sie kam vor allem dort zum Einsatz, wo wir in Teilbereichen Fassadenflächen vorgefunden haben, die noch tragfähige Putzschichten – lediglich mit Fehlstellen und Rissen – aufwiesen und mit dem Produkt in verschiedenen Farbtönen ausgebessert werden konnten. Insgesamt bearbeiteten wir etwa 6.000 Quadratmeter Fassadenfläche mit KEIM Universalputz und fassten sie mit KEIM Unikristalat sowie mit KEIM Granital.“

Zusammen mit dem Denkmalschutz
Planung und Ausführung erfolgten in enger Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Der zuständige Gebietsreferent für Bad Kissingen machte sich regelmäßig auf der Baustelle ein Bild von den Arbeiten. Die Zusammenarbeit lief problemlos, ganz nach dem Motto „Geben und Nehmen“. Firlus erklärt das genauer: „Die komplette Entkernung der Zwischengebäude ist den Verantwortlichen des Landesamts für Denkmalpflege sicher nicht leichtgefallen. Wir haben uns dann auf die Erhaltung der anderen Bereiche konzentriert und konnten damit das Ganze auch etwas wirtschaftlicher gestalten. Außerdem ist der 150 Jahre alte Badehauscharakter in der Struktur der Flure und Räume in den entkernten und wiederausgebauten Gebäudebereichen immer noch ablesbar.“

Kombination von Alt und Neu
Schon der Innenhof vermittelt den Besuchern eine Symbiose von Alt und Neu. Die beiden modernen Ergänzungsbauten waren nötig, um die zentrale Versorgungsanlage für den Gebäudekomplex sowie Lager und Archivräume für die Behörden unterzubringen. Denn aufgrund ständiger Überflutungsgefahr und genereller Feuchtigkeit sind die Kellerräume als Lager- und Technikräume nicht nutzbar. Die aus Sichtbeton gefertigten Ergänzungsbauten passen sich hervorragend dem historischen Gebäudekomplex an, auch aufgrund ihrer Struktur und Farbe passend zum Sandstein der Fassaden. 

Gelungene Umnutzung
Der Gebäudekomplex wurde nach einer Investition von 39 Millionen Euro im Oktober 2017 wiedereröffnet. Neben der Nutzung als Behördenzentrum dokumentieren museal aufbereitete Räume unter anderem die Geschichte der Bade- und Kuranlagen in Bad Kissingen. Die Eckpavillons mit den Jugendstilfenstern können für standesamtliche Trauungen und kleine Feiern angemietet werden. Und der große Innenhof dient in der warmen Jahreszeit als Ort für Musikveranstaltungen, zum Beispiel für den „Kissinger Sommer“. 

Der schönste Arbeitsplatz
Rückblickend war die Sanierung des Bades eine umfangreiche und anspruchsvolle Aufgabe, die etwa 200 Firmen in vier Jahren auf der Baustelle beschäftigte. Die größte Herausforderung war die Einhaltung des Zeitplans. Doch es hat sich gelohnt, denn kürzlich schwärmte ein Mitarbeiter der Behörden: „Das ist der schönste Arbeitsplatz, den wir uns vorstellen können.“ – Mit der Generalsanierung des Luitpoldbades wurde ein langer Leerstand beendet und dem Substanzverlust entgegengewirkt. Zusätzlich ist Bad Kissingen damit seinem Ziel, den Eintrag als UNESCO-Weltkulturerbe „Great Spas of Europe“ zu erhalten, einen großen Schritt nähergekommen.

Text: Dr. Alexandra Nyseth

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