Produkt:

KEIM Purkristalat®

BAUTAFEL:

Objekt: 
Schweighofweg 6, 8, 12, Kriens/Luzern

Bauherrschaft: 
PKG Pensionskasse Luzern und LUPK Luzerner Pensionskasse

Architektur: 
Lüscher Bucher Theiler Architekten, Luzern, www.lbta.ch 

Planung und Visualisierung: 
L’Equipe [visuelle], Emmenbrücke, www.lequipe-visuelle.ch 

Künstlerische und handwerkstechnische Umsetzung: 
Maler Schlotterbeck AG, Adligenswil, www.schlotterbeck.ch 

Bildquelle: Ursula Ochsenbein 

Zeiträume verbindendes Handwerk
Wo Fassaden die Umgebung nachhaltig gestalten 

Geblieben ist der Pilatus, der Krienser Hausberg. Sonst erinnert in den noch jungen Häuserschluchten und Straßenwüsten zwischen den Dorfzentren Horw und Kriens kaum etwas an die einstige Idylle nah beim Vierwaldstättersee. Wäre da nicht die Überbauung Schweighof als Teil eines auf 76000 Quadratmetern neu entstehenden Luzerner Stadtquartiers. Auf den Nordfassaden kürzlich fertiggestellter Mehrfamilienhäuser prangt die hier für immer verschwundene Naturlandschaft von anno dazumal. Die außergewöhnliche Fassadengestaltung rückt ein Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbindendes Handwerk in den Vordergrund. 

Nun ist sie doch wieder zurückgekehrt, Luzerns Umgebung, wie sie vor über 150 Jahren den Luzerner Landschaftsmaler Robert Zünd zu inspirieren vermochte und bis vor wenigen Jahrzehnten als wenig verbaute Gegend erhalten geblieben ist. Die unerwartete landschaftliche Wiedergeburt im Heute basiert auf einer Idee der Architekten Lüscher Bucher Theiler, Luzern. Sie planten, die Nordfassaden der drei Wohnbauten am Schweighofweg in Kriens mit ausgesuchten Bildmotiven vom Kunstmaler Robert Zünd künstlerisch-handwerklich zu gestalten. Dieser lebte und arbeitete Mitte des 19. Jahrhunderts in Luzerns Umgebung. Für die außerordentlich anspruchsvolle Transformierung der 112 x 156.5 cm (Die Ernte) bzw. 60.7 x 83 cm (Schellenmatt) messenden originalen Zünd-Bilder hin zu riesigen Fassadengemälden in reinmineralischer Silikattechnik setzten die Architekten auf die Erfahrung sowie die Lösungs- und Risikobereitschaft der Handwerksspezialisten der Maler Schlotterbeck AG, Luzern. «Die Bilder bilden einen Zusammenhang zwischen den Häusern und der Geschichte der Umgebung. Sie verweisen auf die ursprüngliche Landschaft und erzählen von den Leuten, die früher in dieser Gegend gelebt haben» begründet Reto Tarreghetta, Geschäftsführer der Luzerner Pensionskasse LUPK, die als Investorin zusammen mit der PKG Pensionskasse am Schweighof beteiligt ist, die Motivwahl. Somit seien die Bilder «kulturelles Bindeglied», aber auch attraktive «Hingucker». 

Denkmal des Handwerks
Die gleichzeitig künstlerisch und handwerklich gestalteten Schweighof-Fassaden stellen nicht einfach illusionistisch geschönte Szenarien aus einer idealisierten Vergangenheit dar. Vielmehr stehen diese in noch nie gesehener Dimension fast wie ein Denkmal für ein Handwerk, das weit über die schnelle Zeit, die es gerade hervorgebracht hat, hinausweist. Denn die hier applizierte zweikomponentige reine Silikattechnik ist haargenau dieselbe, mit der vor über hundert Jahren zum Beispiel das Rathaus in Schwyz , die Altstadt von Stein am Rhein oder das Dornacherhaus in Luzern gestaltet wurden. Was hier an einem Ort der schnellen Veränderung handwerkstechnisch und künstlerisch umgesetzt wird, dürfte in über hundert Jahren noch wertig schön erhalten sein! Diese auf historischer Erfahrung basierende Tatsache in Verbindung mit der von den Architekten mitgebrachten Affinität zu Robert Zünds Landschaftsmalerei hat schließlich die Bauherrschaft zur Realisierung der zwar etwas aufwendigeren, in dieser Art aber noch nie gesehenen und außerordentlich beständigen Gebäudefassaden in 2-K-Silikattechnik bewogen. KEIM Purkristalat verdankt die geforderte Qualität seiner über 140-jährigen Geschichte und Erfahrung in der perfekten Abstimmung seiner hochwertigen, ausschließlich mineralischen Inhaltsstoffe wie anorganische, absolut lichtechte Pigmente, ausgesuchte Mineralien als Füllstoffe und reines, flüssiges Kaliumsilikat als Bindemittel. Die hohe Lichtechtheit sichert über Jahrzehnte hinweg ein gleichbleibendes Ergebnis. Nacharbeiten oder Restaurierungen sind lange Zeit nicht notwendig und können auch nach vielen Jahren einfach ausgeführt werden. Leuchtkraft und Lebendigkeit der reinen Silikatfarben bleiben jahrzehntelang erhalten und schaffen würdig alternde Fassaden.

Visuelle Planung und Bemusterung
«Die Zünd-Malerei begleitete uns schon in der frühsten Planungsphase», weiß Architekt Franz Bucher. «Wir verstanden sie nie als bloss zierendes Randelement am Ende des Prozesswegs. Vielmehr begleitete uns das vorgesehene und für uns klar unverzichtbare Motiv der Fassadengestaltung in der detaillierten Ausgestaltung der Architektur, die alles stimmig miteinander in Verbindung bringt» 
Die mehr als 20-fache Vergrößerung der Originalbilder erfolgte teils technisch, aber größtenteils frei Hand durch die künstlerisch wie handwerklich geschulten Spezialisten des oberflächenverarbeitenden Handwerks. Dabei handelt es sich um eine insgesamt über 1000 Quadratmeter Fassadenfläche, die, mit einer dicken, Putzschicht versehen, in reiner Silikattechnik ausgeführt wurde. «Das gewählte umweltfreundliche, reinmineralische Material, die enormen Dimensionen, Gestaltungsänderungen auf Kundenwunsch während der Ausführung sowie anspruchsvolle Rahmenbedingungen bedeuteten für unser Team höchste gestalterische Herausforderung. All das erforderte von uns Mut zum Risiko sowie ein überdurchschnittlich professionelles Projektmanagement», fasst Hanns-Peter Schaffner, Geschäftsführer und Inhaber der Maler Schlotterbeck AG, die besondere Herausforderung zusammen. Er betont, die Ausführung mit reinen Silikatfarben sei sehr anspruchsvoll, da sich die Farben beim Auftrocknen farblich stark veränderten und vorher 12 Stunden eingesumpft werden müssten. Auch hätte auf den über 1000 Quadratmetern Purkristalat-Flächen am Schweighof die Handschrift der drei Handwerkskünstler nicht erkennbar sein dürfen, was eine weitere Herausforderung darstellte. Darüber hinaus sei während der Umsetzungsphase von Kundenseite beschlossen worden, «von der Pixelung abzuweichen und durch eine realistischere Darstellung mehr Tiefe zu erreichen.» Während der gesamten Ausführungsdauer sei es nicht möglich gewesen, «das gesamte Bild aus der Ferne zu betrachten, da der Blick durch die Gerüstverkleidung immer verdeckt war», beschreibt Schaffner nur einige der Herausforderungen und Meisterleistungen seines Teams. 
All dies ließen sich die beiden Pensionskassen aus Luzern einiges mehr kosten. Sie verzichteten bewusst auf eine billig farbige Fassade und die damit einhergehenden negativen Folgen für Mensch und Umwelt. Das Beispiel am Schweighof zeigt eindrücklich, dass alle Beteiligten grossen Wert darauf legten, der Überbauung, losgelöst von reinem Renditedenken, eine eigene Identität zu geben.

Vom Kunstbild zur Fassadenkunst
Im ersten Schritt erstellte ein Grafikteam einen Vorschlag, wie sich die sehr detailreiche Malerei von Robert Zünd auf die schiere Wandmasse übersetzen lässt. Beide Gemälde wurden dazu formal und farblich reduziert. Mit Hilfe gängiger Grafikprogramme wurde die Anzahl Farbtöne der beiden Bilder reduziert und die Formen vereinfacht. Im nächsten Schritt wurde der Raster des Baugerüsts auf die Bildvorlagen gelegt. Anhand dieses Rasters konnten die Fachleute der Maler Schlotterbeck AG die Bilder auf die drei Fassaden vorskizzieren; jenes von Haus 6/8 wurde schließlich in zwölf Farbtönen, das andere von Haus 12 in vierzehn Farbtönen angelegt. Herausfordernd war, mit dem beschränkten Kontrastumfang die Grundstimmung der beiden Gemälde beizubehalten. Durch zahlreiche Versuche und Feinabstimmungen von Farbe und Kontrast wurde schließlich eine harmonisch überzeugende Farbstimmung gefunden, die dem Original sehr nahekommt. Auf die vielen digitalen Versuche und die großen Visualisierungen folgten zwei Musteranfertigungen von je 2 x 2,5 Metern in Natura, was exakt dem Feld eines Baugerüstlaufs entspricht. Geklärt wurden beim Kornfeld die Farben, der Pinselauftrag, der Abstraktionsgrad und die noch erfahrbare, realistische Erkennung. Beim Muster mit dem wolkenbehangenen, blauen Himmel und den großen Bäumen waren die ineinander fließenden und nicht abrupten Farbübergänge das Wichtigste.

Von der Fassaden- zur Umgebungsgestaltung
Im Bau- und Entwicklungsgebiet in der Ebene zwischen Horw und Kriens ist eine anmutige Naturlandschaft für immer verschwunden. Mit der hier besprochenen Fassadengestaltung tritt sie unerwarteterweise wieder in Erscheinung: als Stein gewordene (rein mineralische Silikattechnik) Erinnerung an eine längst nicht mehr vorhandene Idylle. Die künstlerisch gestalteten Fassaden sind darüber hinaus lebendig gewordene Projektionsflächen einer Geschichte des mineralischen Handwerks, die, gegenwärtig und hier «wiedererzählt», in die Zukunft weist. Es ist dies die generationenübergreifende Geschichte der reinmineralischen Farb-, Mal- und Handwerkskunst. Diese an einer modernen Fassade sich kristallisierende Kultur zeugt von einer Gestaltungskraft, die weit über die rein naturalistischen Motive hinausgeht: Hier berührt die Sinne, was an der Fassade sprichwörtlich in Stein geschrieben ist: Feinste Farb- und Handwerksgeschichte.


AUTOR: Stefan Schmid, Dipl.-Ing (FH), Produktmanager
Nach einer Lehre als Baustoffprüfer, studierte er Bauingenieurwesen an der Fachhochschule in Augsburg bis 2004. Während und nach dem Studium arbeitete er bei mehreren Unternehmen in der Bauchemischen Industrie. Als Produktmanager bei KEIMFARBEN liegt sein Fokus seit 2012 auf hochwertige und nachhaltige Produkte im Bereich der Fassadenfarben und Putze. 

BILDER: Ursula Ochsenbein

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