Produkte:

  • KEIM Universalputz
  • KEIM Quarzil
  • KEIM Dekorfarben

 

Beteiligte:

Restaurierungen Berchem GmbH
(Restaurierungen)
Weidkamp 60
45355 Essen-Borbeck
kontakt@berchem-restaurierungen.de
Tel.: +49 (0201) 681621

Objektbeschreibung:
Eine evangelische Kirche mit farbenprächtiger Innenfassung? Die Hauptkirche in Rheydt, ein Hauptwerk des Architekten Johannes Otzen, vereint diesen scheinbaren Gegensatz. Nach einer unglücklichen "Purifizierung" in den Sechzigerjahren wurde ein Großteil der eindrucksvollen Jugendstil-Ornamentik inzwischen wiederhergestellt.

Die ehemalige Stadt Rheydt  -  1975 nach Mönchengladbach eingemeindet  -  blickt auf eine lange protestantische Tradition im sonst katholisch geprägten Rheinland zurück. 1633, noch während des Dreißigjährigen Krieges und im Zeitalter der Gegenreformation, wurde die alte Sankt-Alexander-Kirche endgültig protestantisch. Ihre Baugeschichte reichte bis ins 14. Jahrhundert zurück. In Größe und Anlage, mit dem angrenzenden Pfarrhaus und Pfarrgarten vermittelte das Gotteshaus den Eindruck einer Dorfkirche. Rheydt aber hatte sich im 19. Jahrhundert zu einer aufstrebenden Stadt mit zuletzt über 30.000 Einwohnern entwickelt. Die "Hauptkirche", wie sie seit 1866 hieß, war nicht nur zu klein geworden, sie passte auch nicht mehr in das Selbstverständnis der Bürgerschaft, die ihrem Ortszentrum ein bewusst urbanes Gepräge geben wollte.

Neubau als Predigtkirche

Mit Erlaubnis von Provinzialkonservator Paul Clemen wurde die mittelalterliche Kirche im Jahr 1899 abgebrochen. Unmittelbar darauf begann der Neubau. Den Auftrag hierfür hatte der Berliner Professor Johannes Otzen erhalten. Er plante die "Neue Hauptkirche" konsequent als Predigtkirche: Alle Aufmerksamkeit der Gemeinde sollte auf Kanzel und Altar gelenkt werden, die zudem eine bauliche Einheit bildeten. Grundrissplanung und Raumakustik waren daraufhin ausgerichtet, dass der Prediger von jedem der 1.300 Sitzplätze aus gut zu sehen und zu verstehen war. Wie eine protestantische Predigtkirche zu konzipieren sei, hatte Johannes Otzen 1891 in seinem "Wiesbadener Programm" dargelegt. Demnach sollten alle Sehlinien auf den Altar hinleiten. In Rheydt wird dies unter anderem dadurch erreicht, dass sich über dem Altar ein so genanntes Kanzelhaus erhebt. Altar und Kanzel stehen darin vertikal angeordnet in einer konkaven Nische. Diese findet ihre Fortsetzung in einem Triumphbogen, der mit seiner Schräge von 45 Grad ebenfalls wie eine Art Trichter wirkt und den Blick auf den Altar lenkt. Wichtige Gestaltungselemente im Innenraum des überwiegend neuromanischen Gotteshauses waren die Malereien, vor allem in der Altarnische, am Triumphbogen, in den Arkaden der Apsis sowie entlang der Gewölberippen und Gesimse. Die farbige Fassung war von Otto F. Berg aus Berlin entworfen und in Kalkkaseintechnik ausgeführt worden. Er wählte fast ausnahmslos eine stilisierte Ornamentgestaltung mit Pflanzenmotiven, denen religiöse Symbolbedeutung zukommt: Rosen etwa als Zeichen der Liebe, Lilien für die Unschuld, Eichenlaub als Symbol des starken Glaubens. Bis zum Abschluss der Arbeiten 1902 war mit der neuen Hauptkirche Rheydt ein wahres Schmuckstück des Jugendstils entstanden.

Purifizierende Neugestaltung

Wie so viele Kirchen erlebte auch jene in Rheydt einen Tiefpunkt ihrer jüngeren Baugeschichte, als die Bomben der Alliierten auf deutsche Städte fielen. Bei einem Angriff Ende August 1943 brannten zwei der vier Türme aus, ebenso das gesamte Dach. Die Fenster wurden durch Druckwellen zerstört. Das Sandsteinmauerwerk und die Gewölbe aus Ziegel hatten den Feuersturm hingegen recht gut überstanden. Nach dem Anbringen eines Notdaches konnte die Kirche weiterhin genutzt werden. In den Nachkriegsjahrzehnten, in denen anderswo gänzlich schmucklose Kirchen aus Beton entstanden, wurde die farbige Innenfassung der späthistoristischen Hauptkirche als unzeitgemäß, mitunter sogar als schwulstig und kitschig empfunden. Nüchtern sollten Kirchenräume gestaltet sein, diese Maxime galt auch für die 1962 anstehende Renovierung der Kirche in Rheydt. Die farbigen Ornamente wurden mit dem alten Putz abgeschlagen und ein neuer, champagnerfarbener Edelputz aufgetragen. In der Folgezeit verschmutzten Wände und Gewölbe. Mit einer unglücklich konzipierten Lichtanlage und ebensolchen farbigen Glasfenstern strahlte der Innenraum anstelle moderner Ästhetik nunmehr Kälte und Düsternis aus.

Rückkehr der Farbigkeit

Im Jahr 2001 beschloss das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Rheydt nach intensiver Diskussion, die originale Innengestaltung so weit wie möglich wiederherstellen zu lassen. Dem Beschluss vorausgegangen waren die Bildung einer Kommission unter dem Vorsitz von Pfarrer Olaf Nöller, die Befundsicherung durch die Diplomrestauratorinnen Vera Krüsel und Anja Gerner sowie die Übertragung der Bauleitung an den Düsseldorfer Architekten Christoph Mertens. Beratend wirkten das Rheinische Amt für Denkmalpflege sowie die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Mönchengladbach mit. Erstaunlich schnell war die Finanzierung gesichert. Dank Fördermitteln aus dem Interreg-III-A-Programm der EU sowie einer enormen Spendenbereitschaft konnte die farbliche Wiederherstellung eines Großteils des Kirchenraums schließlich im Jahr 2004 in Angriff genommen werden. Die Ausführung übernahm die Restaurierungen Berchem GmbH aus Essen-Borbeck. Zunächst galt es für die Mitarbeiter von Diplomrestaurator Winfried Berchem, den vorhandenen Putz von 1962 als Malgrund zu egalisieren. Hierfür kam Keim Universalputz zum Einsatz. Anhand von historischem Fotomaterial konnten die erfahrenen Kirchenmaler Lochpausen anfertigen und die Ausmalung rekonstruieren. Da die alte Raumfassung bis auf wenige Befunde verloren war, es sich also um eine echte Rekonstruktion und nicht um eine Renovation handelte, konnte davon Abstand genommen werden, die Malereien mit den originalen Kaseinfarben auszuführen. Statt dessen entschieden sich die Beteiligten dafür, eine möglichst langlebige und brillante Mineralfarbe  -  Keim Quarzil  -  einzusetzen. Die Ornamente wurden mit Keim Dekorfarben lasierend ausgeführt.

Ausblick

Dem Bilderverbot in der reformierten Kirche entsprechend, wurde auf die Wiederherstellung der beiden figürlichen Jesusdarstellungen, die sich im unteren Bereich des Triumphbogens befanden, verzichtet. Die entsprechenden Felder sind derzeit leer, über eine künftige Gestaltung wurde noch nicht entschieden. Gleiches gilt für die Fenster. Auch sie zeigten bis zur Zerstörung 1943 figürliche Darstellungen, deren Rekonstruktion aus theologischen Gründen nicht gewünscht ist. Vielmehr steht die Kommission unter Pfarrer Nöller inzwischen mit Künstlern in Kontakt, um für die Fenster ein Farbkonzept zu erarbeiten, das dem Kirchenraum die von Johannes Otzen beabsichtigte Lichtwirkung zurückgibt. In diese Konzeption könnte auch die Neugestaltung der Felder am Triumphbogen einbezogen werden. Bislang offen ist auch die Behandlung der Altanstriche im Bereich unter den Emporen. Die vollständige Wiederherstellung der ursprünglichen Raumwirkung in der Evangelischen Hauptkirche Rheydt wird voraussichtlich noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Gleichwohl besticht die Kirche heute wieder durch eine beeindruckende architektonische Geschlossenheit und fein abgestimmte Farbwirkung.

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