Pfarrkirche St. Dionysius

Produkte:

  • KEIM Optil® (für den Untergrund)
  • KEIM Design-Lasur (als dekorative Lasurbeschichtung)

Die Malereien von Tobias Kammerer in der Pfarrkirche St. Dionysius in Paderborn-Elsen

Tobias Kammerer ist ein Künstler, der sich in seinen Werken nicht in einer festgefügten Formensprache binden lässt. Seine Bilder sind ohne feste Formengestalt, also amorph. Für unsere Pfarrkirche St. Dionysius lässt sich nach der Aussage des Künstlers in all seinen von ihm entworfenen Bildern der Himmel als Motiv wiederentdecken. Und doch lässt Tobias Kammerer dem Betrachter seiner Kunst die Deutung seiner Werke offen, das heißt der Betrachter wird vom Künstler nicht auf eine bestimmte Deutung festgelegt, sondern bleibt frei in seinen eigenen Ideen und Vorstellungen, die durch Tobias Kammerers Werke geweckt werden können.

Beginnen wir mit unserem Rundgang in der Taufkapelle, dem ältesten Teil unserer Pfarrkirche aus dem frühen 13. Jahrhundert. Die Taufkapelle ist im Gewölbe, dem Himmelsmotiv entsprechend, in Blautönen gehalten. Diese blaue Ausmalung kann man, dem Taufort entsprechend, als Wasserströme deuten. Das Wasser, welches über den Täufling gegossen wird, was zum Wasser des Lebens wird, aus dem der Täufling neugeboren als Kind Gottes wieder aufsteigt.
Aber auch als den sich öffnenden Himmel, zu dem der Getaufte durch die Taufe Zugang erhält, kann man das Deckengemälde in der Taufkapelle betrachten.
„Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.
Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe (Matthäus 3, 16+17).“
Wenden wir uns dem Mittelschiff zu. Wenn wir unseren Blick nach oben richten, fällt auf, dass sich der Künstler eines Kniffes bedient hat, um den Kirchenraum optisch zu erhöhen. Er beginnt in allen Gewölben in den unteren Bereichen das Blau der Gewölbeflächen und das Beige der Stützbögen in dunkleren Farbtönen und hellt sie nach oben hin auf. Dieser Effekt zieht den Betrachter quasi nach oben, führt ihn zum Himmel hin. Durch die bewusste farbliche Akzentuierung verleiht der Künstler Tobias Kammerer den architektonischen Elementen wie den Kapitellen oder den Fenstern wieder mehr Gewicht.

Jedes Gewölbe ist mit einer kreisförmigen Linienführung um den Schlussstein des Gewölbes abgeschlossen. Der Kreis als geometrische Figur ist vollkommen, da bei einem möglichst geringen Umfang der größtmögliche Flächeninhalt erreicht wird. Der Kreis wird in der Theologie oft als Sinnbild für die Vollkommenheit Gottes verwendet.
Wenn Tobias Kammer die Kreise mit bunten Linien öffnet, dann drückt er aus, dass Gott aus seiner Vollkommenheit heraus tritt, sich öffnet für uns Menschen. In Jesus, der unser irdisches Dasein teilt, tritt Gott aus seiner Allmacht heraus hinein in unsere Welt. Gott will uns durch seinen Sohn Jesus zur Vollkommenheit und zum ewigen Leben im Himmel führen.

Weitere Begleitstriche finden sich auf allen Säulen in der Kirche. Paarweise in einem blaugrau lenken sie den Blick des Betrachters hin zum Himmelsgewölbe der Kirche, sie sind quasi „Himmelspfeile“ oder „Paradiespfeile“, die uns daran erinnern, dass unser Leben aus dem Glauben ein festes Ziel hat, das ewige Leben im Reich Gottes, im Himmel.

Drehen wir uns zur Westwand der Kirche. Dort hing früher ein Kreuz mit einem Corpus von 1671. In Erinnerung daran hat Kammerer mit roten Strichen ein Kreuz leicht angedeutet. Hauptblickfang ist der breite Strich, der unten rot, ins bläuliche wechselnd der Decke entgegenstrebt und dabei graue, wolkig anmutende Malerei durchstößt.
Jesus geht aus dem irdischen (rot) heraus, durch den grauen Wolkenhimmel hinein in das himmlische (blau), das sich nach oben hin mehr und mehr aufhellt und dann in einer Art optischen Täuschung als Strich bis an den Stützbogen fortzieht, obwohl er gar nicht bis ganz oben ausgemalt ist. Hier lässt sich eine Himmelfahrtsszenerie erkennen. „Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder (Lukas 24,51+52).“
Gehen wir nun durch das rechte Seitenschiff nach vorne, hin in den neugestalteten beschränkten Zugang, in dem die alte Pieta einen ganz neuen Platz erhalten hat. Die neu geschaffene Marienkapelle ist in den Farben Mariens gehalten, blau und rot (eine Linie). Das Kreuz ist im Längsbalken in einem dunkleren Blauton, im Querbalken in einem fast schon Türkis anmutenden Ton gestrichen. Dies soll uns an das Wort Jesu unter dem Kreuz erinnern, als er Maria dem Johannes, und damit der ganzen Kirche, als Mutter gibt.
„Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter:
Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.“ (Johannes 19, 25-27)
Maria als unsere himmlische Mutter hat ein offenes Ohr für unsere Anliegen, die wir dort, an ihrem Bildnis der schmerzhaften Mutter, der Pieta, vor sie hinbringen. Die Statue stammt aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert und ist in den marianischen Farben rot (Untergewand) und blau (Übergewand) gehalten.

Das Vierungsgewölbe wird von einem großen Rundgemälde geziert. Es erstreckt sich direkt über dem Altar und stellt den offenen Himmel dar.
Mit diesem Bildnis weist uns Tobias Kammerer einmal mehr auf das Ziel unseres Glaubens hin, nämlich auf den Himmel. „Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein (Matthäus 5,12).“

Über denen sich nach oben aufhellenden Gewölberändern erstreckt sich eine blau-weiße amorph gemalte Fläche, die offen ist für verschiedene Deutungen und Empfindungen. Durchzogen sind die seitlichen Gewölbeflächen von verschieden farbigen Streifen, die mehrfach deutbar sind. Sie können für uns Menschen stehen, die wir alle verschieden sind. Ebenso können sie für die Begegnung Gottes mit uns Menschen stehen.

Der Blickfang ist für den Kirchenbesucher die Rückwand des Chorraumes. In der Gestaltung lassen sich Auferstehung und Himmelfahrt Jesu erkennen. Während der sichtbare Korpus auf dem goldenen Grund zu schweben scheint, ist das Kreuz lediglich mit roten Linien, fast schon Neon anmutend, angedeutet, die von den Seiten zum Korpus hinführen. Der Auferstehungsgedanke soll dadurch erkennbar werden, dass der Querbalken des Kreuzes unterhalb der ausgestreckten Arme des Korpus liegt. Auf dem goldenen Band fährt Christus gen Himmel, der sich über ihm im Chorraum durch das durchgängige Himmelsmotiv findet.
Im unteren Bereich der Chorwand ist der Balken rot, ganz unten fast schon purpurn, als Anspielung auf den mit Dornen gekrönten Christus, den Rex Judaeorum, den König der Juden. „Und eine Aufschrift (auf einer Tafel) gab seine Schuld an: Der König der Juden (Lukas 15,26).“

Das Rot steht hier für das Leiden, das Jesus auf sich nimmt, für sein Opfer, seine Hingabe am Kreuz. Es ist aber auch Ausdruck der Liebe Jesu zu uns Menschen. „Es gibt keine größere Liebe als  wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt (Johannes 15,13).“ Gleichzeitig weist das Rot auf den Kirchenpatron, den hl. Dionysius hin. Dionysius war der erste Bischof von Paris und wurde um 256 enthauptet. Die Legende sagt, dass er seinen Verfolgern sagte, dass er eher seinen Kopf hergeben wolle, als seinem Glauben untreu zu werden. Das Martyrium des heiligen Dionysius lässt sich im Querschifffenster zum Friedhof erkennen oder in den Figuren des Heiligen im Hauptschiff rechts oder draußen über dem Dionysiusportal.

Zum Abschluss unseres Rundgangs wenden wir uns dem Fenster über dem neuen Urbanportal zu. Hier nutzt Tobias Kammerer verschiedene Farbensymboliken. Den roten Querbalken deutet er für die irdische Existenz. Als Kirchengemeinde verabschieden wir unsere Toten, die wir in Sarg oder Urne vor dem Altar aufgebahrt haben, durch das Urbanportal. Der rote Querbalken kann auch für die sterblichen Überreste der Menschen gedeutet werden, die wir der Erde anvertrauen. Das Violett steht für die Trauer und den Abschied. Das Blau, welches sich noch oben hin mehr und mehr heraussehen lässt, steht für den Himmel, in den unsere Seelen Einzug halten, am Ende unseres irdischen Lebens.

More reference projects

This site uses cookies. If you continue surfing on this site, you agree to the use of cookies.
More details