Befreiungshalle Kelheim

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Bauherr:
Staatliches Bauamt Landshut

Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen
Bauabteilung, Referent Christoph Straßer, Restaurator Klaus Häfner

Fachbauleitung Stein und Putz:
Dr. Michael Pfanner

Restauratorische Fachberatung und Befunde:
Thomas Hacklberger
 
Ausführender Fachbetrieb:
Nüthen Restaurierungen GmbH + Co. KG
www.nuethen.de 

Erinnerungskultur anno dazumal 
Eine neue Fassade für die Befreiungshalle Kelheim

Die von König Ludwig I. in Auftrag gegebene Gedenkstätte ist spektakulär gelegen, hoch oben auf dem Michelsberg, zwischen Donau und Altmühltal. In Anlehnung an antike und christliche Zentralbauideen von Friedrich von Gärtner begonnen und nach dessen Tod von Leo von Klenze nach geänderten Plänen vollendet, sollte der Triumphbau an die Befreiung vom napoleonischen Joch erinnern. Nach dem Ersten Weltkrieg musste er als Symbol vergangener Größe des Deutschen Reiches herhalten, später missbrauchten die Nationalsozialisten das Monument für ihre Propaganda. Heute ist die Befreiungshalle für viele Menschen ein Sinnbild der Freiheit, Begegnung und europäischen Einheit.

Duell der Baumeister

„Klenze, so schön, so schön habe ich mir den Bau nicht geträumt“, rief König Ludwig I. zu Tränen gerührt, als er die Befreiungshalle zum ersten Mal sah. 
Auf diesen ersten Anblick hatte der Monarch jedoch lange warten müssen. Von der Grundsteinlegung 1842 – dazu dichtete der König leidenschaftlich: „Heil euch! treue Teutsche, tapf’re Sieger, Ewig währet euer Thaten Glanz.“ – bis zur Eröffnung sollte es 20 Jahre dauern. Die Bauarbeiten gingen nur langsam voran. Als Friedrich von Gärtner 1847 starb, standen lediglich die Grundmauern und Sockelstufen. Leo von Klenze wurde mit der Fortsetzung des Werkes betraut, aber schon 1848, als der König wegen seiner Affäre mit Lola Montez abdanken musste, wurde der Baubetrieb eingestellt und das Baumaterial verkauft. Zwei Jahre später entschied sich Ludwig, die Bauarbeiten fortzusetzen und privat zu finanzieren. 
Klenze modifizierte den Bau nach seinen am Vorbild der Antike und der Renaissance orientierten architektonischen Vorstellungen. Er gab Gärtners Idee einer außen sichtbaren Kuppel auf und entwickelte einen zylinderförmigen Baukörper, dessen kegelförmiges Dach von außen kaum in Erscheinung tritt. Wie beim Pantheon in Rom ist die einzige Öffnung ein zentraler kreisförmiger Ausschnitt im Scheitelpunkt des Daches, der hier von einer Glaslaterne geschlossen wird. Klenze ging es darum, dem Bauwerk aus der Fernsicht eine möglichst mächtige Wirkung zu geben.

Ruhmestempel und Zahlenmystik

Der monumentale, tempelartige Rundbau ruht auf einem dreistufigen Sockel, als achtzehneckiges Polygon ausgebildet, zu dem eine repräsentative Freitreppe führt. Die Zahl 18 ist für dieses Bauwerk von besonderer Bedeutung und erinnert daran, dass sowohl die Völkerschlacht bei Leipzig als auch die Schlacht bei Waterloo an einem 18. Tag des Monats stattfanden. 
Die Strebepfeiler der Außenfassade bekrönen 18 Kolossalstatuen, Allegorien der deutschen Volksstämme. Darüber befindet sich ein äußerer Umgang mit 54 Säulen in toskanischer Ordnung. Der Tambour, der das flach geneigte Dach trägt, wird von wiederum 18 Trophäen mit Harnisch, Helm und Armschild geschmückt. 
Die 18 findet sich auch in der Zahl der 54 Säulen und 54 Pfeiler (3 × 18), in den zweimal 36 Säulen im oberen Umgang (2 × 18) und in den Inschriften für je 18 Feldherren und zurückeroberte Festungen.
Im Inneren der 45 m hohen Rundhalle beeindruckt das mit optisch effektvollen Ornamenten verzierte Kuppelgewölbe, das durch ein Opaion erhellt wird. Der eiserne Dachstuhl mit über 29 Metern freier Spannweite wurde nach den damals neuesten ingenieurtechnischen Kenntnissen geplant und ausgeführt. Die Wände sind durch 18 Segmentbogennischen und eine abschließende Säulengalerie toskanischer Ordnung gegliedert. Auf den mit Siena-Marmor verkleideten Mauerflächen über den Nischenbögen befinden sich gerahmte Inschriftentafeln mit den Namen der bedeutendsten deutschen Feldherren der Befreiungskriege. Vor den Nischen stehen jeweils zwei 3,30 m hohe Siegesgöttinnen aus weißem Marmor, entworfen von Ludwig Schwanthaler, und reichen sich die Hand zu einem feierlichen Reigen. Die jeweils andere Hand ruht auf vergoldeten Schilden, die der Legende nach aus der Bronze eingeschmolzener Geschütze gefertigt sein sollen. Jeder Schild erinnert mit einer Inschrift an einen siegreichen Kampf im Zuge der zwei Befreiungskriege. 

Ziegel- statt Naturstein

Aus Kostengründen wurde der Bau als Ziegelmauerwerk ausgeführt, außen verputzt und mit einem Farbanstrich gefasst, der ein präzise ausgeführtes Quadermauerwerk aus Werkstein imitieren sollte. Aus der Ferne ergab sich so ein helles blassgelbes Gesamtbild. 
„Die Besonderheit besteht darin, dass es sich um die wohl erstmalige Verwendung von Portlandzement an einem öffentlichen Gebäude in Bayern handelt,“ erklärt Klaus Häfner, Restaurator bei der Bayerischen Schlösserverwaltung. „Die Erstbeschichtung wurde in der damals üblichen Qualität mit Kasein-Farben ausgeführt.“ 
Erstmals saniert wurde die Befreiungshalle vermutlich 1913, „wobei nicht eindeutig belegt werden kann, ob damals mit Mineralfarben aus dem Hause KEIM gearbeitet wurde. Weder im KEIM-Archiv noch bei uns finden sich Belege dafür. Gesichert ist aber die Verwendung von Wasserglas als Bindemittel,“ so der Restaurator. „Bei dieser Maßnahme wechselte man von einem hellen Untergrund und dunkel abgesetzten Quadern zu einem massiver wirkenden dunklen Grund mit helleren Quadern, vom Positiv ins Negativ sozusagen.“ Die darauffolgende Sanierung im Jahr 1963, diesmal nachgewiesenermaßen mit KEIM Purkristalat, folgte dieser Gestaltung.

Neufassung

Im Zuge der aktuellen Fassadensanierung beschloss man, das ursprüngliche Erscheinungsbild wiederherzustellen. Restauratorische Befunduntersuchungen unter Beteiligung des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege legten die originalen Farbschichten und Gestaltungen frei: Demnach standen auf einem hellen Grundton zart abgetönte ockergelbliche, hellrosafarbene, rötliche und grünliche Quaderflächen. 
„Es wurde zunächst eine Musterachse mit der ursprünglich ausgeführten Fassung erstellt, um niemanden in der Bevölkerung vor vollendete Tatsachen zu stellen,“ erklärt Häfner. Denn den Kelheimern liegt ihre Befreiungshalle am Herzen und die neue Farbgebung war zunächst nicht unumstritten. Auf Infoveranstaltungen wurde das Restaurierungskonzept vorgestellt, das den Anliegen der Bürger, aber auch denen des Denkmalschutzes gleichermaßen gerecht werden sollte.

Vor der Neufassung der rund 5.000 qm Fassadenfläche mussten die Substanz der Schichten saniert und die allfälligen Schäden durch Witterungseinflüsse der vergangenen 50 Jahre ausgebessert werden. Risse wurden verfüllt und gekittet, lose Putzteile gefestigt oder erneuert. Damit gewährleistet ist, dass der neue Anstrich sicher haftet, wurden alle Flächen abgestrahlt und so von losen Farbschichten befreit. An einigen zusammenhängenden Bereichen blieben auf Wunsch des Denkmalschutzes alle Schichtfolgen als Primärdokument erhalten. 

Damit der Anstrich mit KEIM Purkristalat so natürlich wie möglich wirkt, wurde jeder Quader von Hand mit dem Pinsel gestrichen. Aus der Nähe sind die Farbfelder klar voneinander zu unterscheiden, aus der Ferne verbinden sie sich im Zusammenspiel zu einem harmonischen, einheitlichen Farbeindruck. Die einfühlsame Rekonstruktion der Originalfassung soll nicht nur das kulturelle Erbe so authentisch wie möglich erhalten, sondern wird die historische Bausubstanz auch vor Umwelteinflüssen schützen – zuverlässig und dauerhaft für die nächsten 50 Jahre.

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