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Referenzen

Leibniz Institut für Astrophysik

Inmitten einer bewaldeten Parklandschaft liegt der Erweiterungsbau des Leibniz-Instituts für Astrophysik. Das Büro Thomas Müller Ivan Reimann Architekten nutzte die Topografie des Hanggrundstücks, um das Gebäude in den Wald einzubetten, statt ihn zu verdrängen. Im Sinne der Nachhaltigkeit und um einen Bezug zur Natur herzustellen, erhielt die Fassade des Neubaus eine Holzfassade, die mit der silikatischen Vergrauungslasur KEIM Lignosil-Verano behandelt wurde. Holz wurde auch für den Innenausbau und die Möblierung des Instituts verwendet.

Architekt:
Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH
Bauherr:
Leibniz-Institut für Astrophysik, Potsdam
Fotos:
Stefan Müller Fotografie
Standort:
Potsdam, Deutschland
Produkte:
  • Lignosil-Verano

Zurückhaltend gestaltet – kraftvoll positioniert

Das nach der ersten Entdeckerin eines Kometen, der Astronomin Maria Margaretha Kirch benannte Haus gliedert sich in drei auskragende Arme, die sich unter Berücksichtigung der natürlichen Baumstruktur in das Gelände einfügen. Durch das teilweise in den Hang eingegrabene Sockelgeschoss und die darauf aufgesetzten, versetzt angeordneten Obergeschosse wirkt die Silhouette des Erweiterungsbaus kleiner als es das Raumprogramm vermuten lässt. So erscheint der Eingangsbereich von außen eingeschossig – und damit nicht höher als die Nachbarbebauung, während die straßenseitige Ansicht dreigeschossig ist. Damit tritt der Erweiterungsbau optisch nicht in Konkurrenz zu den Bestandsgebäuden auf dem Campus. Darüber hinaus bietet die mit dem Park verzahnte Gebäudeform einen weiteren Vorteil: Zwischen den Gebäudearmen liegen Landschaftsräume, so dass die Räume von einem hohen Tageslichteintrag mit Rundumblick in die Natur profitieren

Raumstruktur mit System: Ein Gebäude für Forschung und Austausch

Hinter der Fassade verteilt sich das Raumprogramm auf drei Geschosse, so dass eine gute Vernetzung, kurze Wege und eine optimale Belichtung aller Räume gewährleistet sind. Der überwiegende Teil der Räume besteht aus Einzelbüros. Darüber hinaus integriert das Gebäude eine Kantine, einen Konferenzsaal sowie Ausstellungs- und Archivflächen wie den Ausstellungsraum für die historischen Geräte der Sternwarte. Alle öffentlichen Bereiche gruppieren sich um das zentral gelegene Foyer, das über eine breite Treppenanlage auch die beiden weiteren Geschosse mit den dort angeordneten Forschungseinheiten, Besprechungs- und Kommunikationszonen erschließt.

Material im Einklang mit der Natur

Aufgrund der Hanglage wurde die Tragkonstruktion des in die Landschaft eingebetteten Neubaus in Stahlbeton ausgeführt und das Sockelgeschoss mit Kalkstein verkleidet. Im Sinne der Nachhaltigkeit und um einen Bezug zur Natur herzustellen, ergänzten die Architekten dieses Materialkonzept mit einer Holzfassade als Außenhülle der Obergeschosse. Holz wurde auch für den Innenausbau und die Möblierung des Gebäudes verwendet, z.B. in Form von Holzumrahmungen für die Fenster in den öffentlichen Bereichen, deren Farbgestaltung in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Friederike Tebbe entwickelt wurde.  Die mit einer Keim Vorvergrauung lasierte Außenhaut passt sich den Farben des umgebenden Waldes an und nimmt dabei die endgültige Farbgebung des Gebäudes vorweg.

Grünes Dach, grüne Energie: Nachhaltige Technik für das Institut

Um den Erweiterungsbau möglichst nachhaltig zu betreiben, wurde das Dach als extensiv begrüntes Flachdach ausgeführt und zudem eine Photovoltaikanlage installiert. Diese versorgt das Institut mit regenerativ erzeugtem Strom. Zusätzlich entzieht eine mit einer Wärmepumpe gekoppelte Geothermieanlage über unter dem Vorplatz verlegte Rohrsysteme dem Untergrund Energie für die Beheizung der Räumlichkeiten. Das Regenwasser versickert über Versickerungsanlagen direkt auf dem Gelände.

Gestalten mit Patina: KEIM Lignosil-Verano im Einsatz

Die Pfosten-Riegel-Fassade des Leibniz-Instituts vereint mehrere Funktionen in einem: Sie dient als Gebäudehülle, Lüftungsöffnung, Sonnenschutz und Absturzsicherung. Ihre komplexe Struktur setzt sich aus einer Reihe unterschiedlicher Bauelemente zusammen, aus Lamellen, Gittern, horizontalen und vertikalen Schalungen, aus Rahmen und zurückversetzten Füllungen. Diese Vielfalt schafft eine optisch kleinteilige Erscheinung und erfüllt gleichzeitig eine Reihe funktionaler Anforderungen. Zum Beispiel die Belüftung: Große, fast bodentiefe Fenster erlauben Ausblicke, werden aber nur zum Reinigen geöffnet. Schmalere, angrenzende Fensterflügel lassen sich öffnen, um Frischluft zuzuführen und Abluft hinauszuleiten. Diese Lösung erlaubt eine kontinuierliche Belüftung, ohne dass breite Fensterflügel mit Schreibtischen oder sonstiger Möblierung kollidieren. Davor angeordnete Holzlamellen fungieren zusätzlich als Absturzsicherung.

Das Grundprinzip der Fassade kombiniert Rahmen mit tief eingelassenen, unterschiedlichen Füllungen aus Weißtanne. Während die Rahmen aus Konstruktionsvollholz mit einem Querschnitt von 15 x 10 cm gefertigt sind, setzen sich die Füllungen aus 21 mm starken Profilhölzern in 2 unterschiedlichen Breiten zusammen. Die beiden Materialien wurden von zwei unterschiedlichen Lieferanten – der Häussermann GmbH & Co. KG und Burger Holzwerk GmbH – in den jeweiligen Werken vorvergraut und auf die Baustelle geliefert, wo das Holz abgelängt und montiert wurde.

Um die Wirkung der Vorvergrauung und die Veränderungen im Verlauf der Alterungsprozesse zu studieren und zu überprüfen, hatten die Architekten schon vor Beginn der Bauarbeiten ein 1:1 Fassadenmodell aus Holz errichtet „Dieses haben wir drei Jahre lang im Freien unter natürlicher Bewitterung stehen lassen. Man sieht bis heute keinen Alterungsprozess bzw. der Abtrag der Vorvergrauung und der Alterungsprozess gehen fließend ineinander über, so dass kein Unterschied zwischen der behandelten Oberfläche und der natürlichen Patina zu erkennen ist“, berichtet Architekt Ivan Reimann, der für das Projekt zuständige Architekt und Geschäftsführer von Thomas Müller Ivan Reimann Architekten.

Für eine optimale Farbgestaltung der Fassadenfüllelemente bearbeitete Häussermann die Profilbretter zunächst mit einem Hobelfräswerkzeug. Die fensterübergreifenden Lamellen wurden mit der Anforderung „vierseitig sichtbar“ allseitig mit sägerauer Struktur erzeugt. Anschließend erfolgte die Vorvergrauung im Einfachauftrag mit Keim Lignosil-Verano im Farbton 4875, einer silikatischen Vergrauungslasur. Sie simuliert die vergraute patinierte Oberfläche, die durch jahrelange Bewitterung von Naturholz entsteht. Da das Produkt einer natürlichen Alterung unterliegt, gleichen sich die optischen Unterschiede, die durch ungleichmäßige Bewitterung von exponierten und geschützten Flächen entstehen, praktisch unmerklich an. Bei dem Konstruktionsvollholz wurde die Oberfläche gehobelt und nachträglich profiliert. Das unterschiedliche Verfahren im Farbauftrag führte zu einem abweichenden Erscheinungsbild der Lasur im Vergleich zu den Profilbrettern und Lamellen. Daher war eine zweite farbliche Behandlung notwendig. Die Stirnseiten der Hölzer wurden vor Ort nachgestrichen, um das Erscheinungsbild abzurunden.

Hier können Sie sich den kompletten Pressebericht herunterladen.

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