Nachhaltige Gestaltung

Produkte:

  • KEIM Innotop

Beteiligte:

Bauherr:

Rolf Kühl Papierhandels-GmbH, Diedorf

www.kuehl-gruppe.de

Innenarchitektur:

Innenarchitekturbüro Kolb, Stadtbergen

www.buero-kolb.de

Nachhaltige Farbgestaltung (Villa Oggenhof in Diedorf bei Augsburg)

Mit Farbe, Kreativität und einem Augenzwinkern - Umbau einer Jugendstilvilla zum Firmensitz.

"Abfälle brauchen Einfälle" ist der Slogan der Rolf Kühl Papierhandels-GmbH, denn Recycling ist die Kernkompetenz der international tätigen Unternehmensgruppe aus Diedorf bei Augsburg. Ein herausragendes Beispiel für gelungene Wiederverwertung ist der Umbau einer ehemaligen Fabrikantenvilla zum eigenen Firmensitz.

Die Ausgangslage: Das pittoreske Bauwerk aus dem Jahr 1890 wurde wenig einfühlsam, aber zeittypisch Ende der 1960er-Jahren renoviert, durch einen Anbau erweitert und als Hotel mit Restaurant genutzt. Aufgrund eines langjährigen Modernisierungsstaus und infolgedessen geringer Auslastung stand das Ensemble 2011 zum Verkauf. Die Kühl Unternehmensgruppe erwarb das Objekt und beauftragte das Innenarchitekturbüro Kolb mit der komplexen Aufgabe der Sanierung und des Umbaus. Das Büro mit Standort in Stadtbergen bei Augsburg setzt Fachleute aus den unterschiedlichsten Disziplinen ein: Ingenieure aus den Bereichen Hochbau, Innenarchitektur und Landschaftsplanung, Haustechniker, Statiker und Grafiker. So reicht das Leistungsspektrum von der individuellen Gestaltung eines einzelnen Möbels bis hin zu kompletter Gebäudesanierung oder einem Neubau.

Nachhaltige Gestaltung

Schon nach der ersten Bestandsaufnahme war Margarete Kolb und ihrem Team klar, dass die Sanierung nach dem Prinzip „Aus Alt mach Neu“ erfolgen sollte, mit dem Augenmerk auf Recycling und Nachhaltigkeit, ganz dem Tätigkeitsfeld des Unternehmens entsprechend. Ziel war außerdem, den ursprünglichen Charakter der Gebäude, auch den eher spröden Charme des Anbaus, zu konservieren und zu ästhetisieren.

"Unser Ansatz war, das Vorhandende mit einfachen Mitteln nachhaltig zu verändern", erklärt Margarete Kolb. "Um die Authentizität des Bestands wiederherzustellen, haben wir Teile verschwinden lassen, anderes rekonstruiert, bestehende Bauteile und Möblierung in die Planung miteinbezogen und ergänzt."

Sämtliche nach der Entstehungszeit eingefügten Elemente wurden entfernt, während man die hochwertigen Steinfußböden und Stuckelemente an den Decken sorgfältig aufarbeiten ließ. Eine Vielzahl originaler Lampen wurde zerlegt, instand gesetzt und wieder angebracht. Auch das Bestandsmobiliar des Restaurants – massive Tische und Stühle im Stil des "Gelsenkirchener Barock" – kam nicht auf den Sperrmüll, sondern wurde monochrom in grün oder weiß gefasst und ist dadurch überraschend vielfältig einsetzbar. Denn ob etwas Abfall ist oder nicht, hängt nicht zuletzt vom Auge des Betrachters und von der Kreativität der Gestalter ab.

Spannende Kontraste

Die bei der Renovierung 1969 eingesetzten, einteiligen Fenster der Villa wurden gegen 3-fach verglaste Sprossenfenster in Originalfensterteilung ausgetauscht, die silber eloxierten Aluminiumfenster des Anbaus ließ man mit anthrazitfarbener Eisenglimmerbeschichtung überarbeiten. "Wir wollten den Unterschied zwischen den Gebäuden herausarbeiten", so die Innenarchitektin. Es ging darum, die beiden Architekturstile einander deutlich gegenüberzustellen und bauliche Zäsuren sichtbar zu machen. Dazu gehört auch die farbliche Gestaltung der Fassade: Der dunkelgraue Anstrich des Anbaus setzt sich klar von der Villa in Weiß mit hellgrauem Sockel ab.

Im Gegensatz dazu hat man die Innenräume mit einer durchgehenden Farbgestaltung zu einem Ganzen zusammengeführt. Die speziell für dieses Projekt nach Angaben der Planer gemischte Wandfarbe, die sich durch alle Bauteile, Geschosse und Räume zieht, bildet die Klammer, die Alt und Neu verbindet. Sie stammt – ebenso wie die Fassadenfarbe – von der Diedorfer Firma Keimfarben. "Keim steht für Nachhaltigkeit", erklärt Margarete Kolb. "Mich als Innenarchitektin überzeugt und begeistert neben dem ökologischen Aspekt natürlich auch die optische und haptische Qualität der Keim’schen Mineralfarben."

Der zurückhaltende und dennoch prägnante Grauton bildet die perfekte Kulisse für die Kühl- Firmenfarben Blau und Grün, die sich in den Möbeln und in der Wand- und Bodengestaltung wiederfinden. Auch das Kühl-Logo taucht an verschiedenen Stellen auf – die Innenarchitektur wird so ganz nebenbei zur Visitenkarte des Unternehmens.

Raffinierte Eingriffe

Dreh- und Angelpunkt ist der großzügige Empfangsbereich, in dem Besucher und Kunden begrüßt werden. Große Spiegelflächen weiten den schmalen Raum optisch und tragen zusammen mit der vielfältigen, ironisch-heiteren Mischung aus neuen wie recycelten Leuchten und Möbeln zu einem unkonventionellen und dennoch repräsentativen Ambiente bei.

An den offenen Empfangsraum schließen links zwei Konferenzräume und rechts der Erweiterungsbau mit Personalraum und Großraumbüro an. Eingestellte Akustik-Trennwände in kräftigem "Kühl"-Grün zonieren den ehemaligen Gastraum und schaffen so sieben abgeschirmte Arbeitsplätze, die dennoch das großzügige Raumkontinuum erhalten. Den verglasten Erker machte man zur offenen Besprechungszone. Hier – wie überall im Haus – findet das aufgearbeitete Bestandsmobiliar Platz. Über dem Besprechungstisch hängen exklusive Leuchten von Stararchitekt Frank O. Gehry, die mit ihrer leichten, ungleichmäßigen Wolkenform einen reizvollen Kontrast zu den schweren Möbeln bilden und die Gestaltung "adeln".

Der Personalraum wurde in der ehemaligen Restaurantküche eingerichtet. Herzstück ist die in der Raummitte platzierte lange Tafel aus upcycelten Tischen und Stühlen in Grün. Der originale Mosaikfußboden und die professionellen Küchenzeilen aus Edelstahl wurden belassen. Wohnliche Elemente wie grüne Vorhänge, Hänge- und Tischleuchten sorgen für eine freundliche Atmosphäre.

Im Obergeschoss sind Einzel- und Zweierbüros, ein Besprechungsraum sowie das Büro des Firmeninhabers, Dr. Michael Kühl, untergebracht. Das durchgängige Grau findet sich auch an den Wänden des Chefzimmers und kontrastiert mit dem warmen Ton des aufgearbeiteten Parkettbodens aus massiver Eiche. Hochwertigste Büromöbel, edle Leuchten gemischt mit Bestandsmobiliar und persönlichen Erbstücken verleihen dem Raum ein individuelles und repräsentatives Ambiente.

Nebenräume, ein Seminarraum und eine "Bar" befinden sich im Untergeschoss. Hier wurde besonderes Augenmerk auf die Flurgestaltung gelegt: Robuster Sisalboden, Spiegel entlang der Flurwände und eine perfekte Lichtplanung mit modularen Lichtsystemen lassen Kellergefühle gar nicht erst aufkommen. Origineller Höhepunkt des Recyclingkonzepts ist die Wiederbelebung der ehemaligen Kellerbar des Hotel-Restaurants mit minimalem Budget. Die Planer versuchten gar nicht erst die hier versammelten rustikalen Stilblüten wie z. B. Holzdecken im Stadl-Look, Schlagputz, Ziermauerwerk oder Brauereimobiliar aufzuhübschen – mit wenigen raffinierten Eingriffen gelang es ihnen, den Bestand persiflierend zu nutzen und Retro Chic zu erzeugen.

Entwurf und Ausführung

"Die konsequente Umsetzung unserer Entwürfe verdanken wir nicht zuletzt dem Bauherrn", freut sich Margarete Kolb. "Dr. Michael Kühl hat sich uneingeschränkt auf unser Konzept eingelassen und ist unseren Vorschlägen vertrauensvoll in allen Punkten gefolgt. Besonders die reizvolle, aber aufwendige Detailarbeit, die den Charakter einer Gestaltung wesentlich mitbestimmt, ist nur mit einem Auftraggeber denkbar, der einen Sinn für diese Feinheiten hat und sie schätzt."

So ist den Planern eine in allen Belangen überzeugende Symbiose aus Firmenphilosophie, Nachhaltigkeit und eindrucksvollem Auftritt gelungen. Durch die Rückführung der ursprünglichen Substanz des Gebäudeensembles, das Aufarbeiten des Bestandsmobiliars, nicht zuletzt aber auch durch das harmonische Zusammenfügen der beiden Gebäudeteile zu einem ästhetischen Ganzen, entstanden individuelle, freundliche Arbeits- und Repräsentationsräume nach modernen Standards, die der neuen Nutzung und den neuen Nutzern voll und ganz entsprechen.

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