Eine Außenhaut aus Holz

Projekt: 
Neubau Wohnanlage Lagom, 82211 Herrsching am Ammersee

Bauherr:
LFO Projekt GmbH & Co.KG, 82166 Gräfelfing

Architektur:
lynx architecture, 80798 München, www.lynx-a.com

Tragwerksplanung: 
Guggenbichler + Wagenstaller, 83022 Rosenheim, www.guggenbichler-wagenstaller.de

Holzbau: Montage
Aster GmbH SRL Holzbau, I-39050 Jenesien – San Genesio, www.aster.bz
Hobel- und Beschichtungswerk der Fassadenleisten und Unterkonstruktion
Häussermann GmbH & Co. KG, 71560 Sulzbach/Murr, www.haeussermann.de

Bauzeit: 
November 2018 bis Dezember 2020 

KEIM Produkte: 

  • 4000 m2 Holzbeschichtung KEIM Lignosil®-Color 
  • 2000 m2 WDVS KEIM AquaROYAL mit EPS und Mineralwolle (unter allen freien Putzflächen)

 

Wohnquartier Lagom in Herrsching am Ammersee

Entweder sie vergrauen unschön oder sie sind pflegeintensiv: Es gibt viele Vorurteile gegenüber Holzfassaden. Das Wohnquartier Lagom am Ammersee schiebt dem einen Riegel vor. Die Anlage setzt bei ihrer Außenhaut aus Holzlatten auf ein farbstabiles Beschichtungssystem, das nicht nur langlebig und pflegeleicht ist, sondern bereits im Vorfeld aufgebracht werden kann.

Wiese, Wald und See: In der Wohnanlage Lagom in Herrsching hat sich die Natur eine Hauptrolle gesichert. Im Norden grenzt das Areal direkt an einen kleinen Auenwald mit Bach, Buschwerk und Blumenwiese. Im Süden trennen es nur hundert Meter vom Ufer des Ammersees. Ringsherum ist alles grün. Den Logenplatz im Zentrum belegt ein 15.000 m2 großes Grundstück. Und darauf: fünf Einfamilienhäuser, vier Doppelhäuser, 17 Reihenhäuser und zwei Mehrfamilienhäuser.

Schiffsarchitektur als Vorbild
Impulsgeber für die Architektur des Quartiers war die Schifffahrt am See: an Schiffsbüge erinnernde Vor- und Rücksprünge gliedern die beiden, je 60 m langen Mehrfamilienhausriegel an der Südgrenze des Geländes und lassen sie wie drei bzw. vier aneinandergereihte Häuser wirken. Das Ergebnis sind kleine Hauseinheiten, die jeweils Platz für sechs beziehungsweise neun Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen bieten. Alle Wohn-Essbereiche orientieren sich mit Terrassen und Loggien nach Süden. Die Schlafräume liegen auf der ruhigen Nordseite. 
Hinter den Riegeln reihen sich kleine Reihenhauszeilen mit unterschiedlichen Haustypen in vier verschiedenen Größen aneinander. Im Erdgeschoss wird jeweils gewohnt, gegessen und gekocht. Das erste Obergeschoss nimmt die Kinderzimmer und das Kinderbad auf. Im zweiten Obergeschoss befindet sich der Elternbereich sowie eine vorgelagerte Dachterrasse. Auch die beiden Doppelhäuser der Wohnanlage sind so aufgebaut. Weiter nördlich grenzen die Grundstücke der Einfamilienhäuser direkt an den dort entlang fließenden Fendelbach an. Und damit die Ruhe des Quartiers nicht durch zu viele PkWs gestört wird, stehen den Bewohnern von Lagom zudem eine Tiefgarage mit 116 Plätzen, neun Garagen sowie sieben private Stellplätze zur Verfügung. 

„Doch bei der Fassade wollten wir Holz“
Den Planungsauftrag für die gesamte Anlage sicherte sich das Büro lynx architecture auf Basis eines gewonnenen Wettbewerbs. Ihr Ziel: Das Thema Natur und Boots-(haus)architektur in der Anlage bestmöglich zum Ausdruck zu bringen. Jedes Haus von Lagom sollte so wirken wie die Bootshäuser am Seeufer davor. „Als Tragkonstruktion war bei diesem Projekt eine Stahlbetonbauweise gefordert, erklärt Architektin Susanne Muhr, Partnerin im Büro Lynx Architectur. Auch das Thema Flachdach und Staffelgeschoss sei von Anfang an vorgegeben gewesen, fährt sie fort: „Doch bei der Fassade wollten wir Holz.“ 
Daher fiel die Entscheidung für Vorhangfassaden in Form einer senkrecht verlaufenden Lattenkonstruktion mit dazwischen angeordneten Fugen. Da eine natürlich vergrauende, unbehandelte Holzfassade nicht in Frage kam, und die LFO Projekt GmbH & Co.KG als Bauherrin eine pflegeleichte Außenhaut wünschte, die nicht mehr Pflegeaufwand benötigt als eine Putzfassade, suchten die Planer nach einer Beschichtungslösung, deren Farbton sich im Lauf der Zeit nicht verändert und die mit einem Pflegeintervall von 15 Jahren auskommt. 

Farbbeschichtung nach Absprache
„Aufgrund dieser Anforderung, sind wir damals auf die Holzbeschichtung Keim Lignosil-Color aufmerksam geworden“, erinnert sich die Planerin. „Wir haben das Material bereits bei der Ausschreibung vorgegeben, und wir haben sogar die Konstruktion in enger Zusammenarbeit mit den Beschichtungsunternehmen und mit dem Hersteller der Beschichtung abgesprochen, um eine optimale Lösung zu finden," informiert Muhr. Für die Holzfassaden der in Seenähe liegenden Geschosswohnungsbauten wählten die Architekten eine helle Beschichtung, die mittleren Hausreihen kombinieren Putz und eine etwas dunklere Holzfarbe, direkt am Wald spiegeln die Holzfassaden, die die Häuser dort wieder komplett umhüllen, den dunklen Farbton der Baumrinden dahinter durchgängig wider.
Die Unterkonstruktion der Fassade besteht aus einer zweilagigen Kreuzlattung mit 6 beziehungsweise 8 cm dicken Hölzern und insgesamt 14 cm Gefachdämmung. An dieser Unterkonstruktion montierte Fassadenbahnen umhüllen diese und schützen so das Fachwerk und die Dämmung vor der Witterung. Die sichtbare Außenhaut besteht aus 45 mm breiten und 20 mm dicken, vertikal verlaufenden Latten, die mit 20 mm breiten Fugen verlegt wurden. Die Lattung wurde auf einer horizontalen, schwarz beschichteten Rhombuslattung montiert, die wiederum über Distanzstücke auf der Unterkonstruktion befestigt ist, damit hinter die Beplankung eindringendes Wasser leicht ablaufen und abtrocknen kann. 
Wo die Fassaden durch Fenster unterbrochen werden, wurden Faltklappläden eingearbeitet. Die Faltklappläden sind mit Holzlatten belegt, die im geschlossenen Zustand bündig mit der angrenzenden Konstruktion abschließen, sodass die Gebäude wie „veredelte“ Bootshäuser wirken. „Um die Übergänge und Anschlüsse der Fassaden optimal ausführen zu können, haben wir die Latten daher erst auf der Baustelle auf die Unterkonstruktion montiert“, erklärt Horst Astor, Geschäftsführer der mit dem Holzbau betrauten Astor GmbH SRL Holzbau. 

Vierfacher Schutz – im Werk einfach aufgebracht
Im Vorfeld wurden die aus nordischer Fichte bestehenden Latten im Hobel- und Beschichtungswerk der Häussermann GmbH & Co.KG mit dem aus vier Ebenen bestehenden silikatischen Beschichtungssystem beschichtet. Auch dies geschah im Sinne einer optimalen Ausführungsqualität. Wesentlicher Bestandteil der Leistungsfähigkeit des Systems ist die zweifach aufgebrachte Grundierung. Sie dient als Feuchteschutz und ist gleichzeitig Haftvermittler für die beiden Deckanstriche Lignosil-Color. 
„In unserem Werk haben wir die aus Nordischer Fichte bestehenden Leisten mit einem speziellen Fräswerkzeug zunächst vierseitig bearbeitet, sodass eine angeraute Oberfläche während des Hobelvorgangs entsteht. So dringt die Farbe später besser ein“, informiert Stephan Seidel, Geschäftsführer der Häussermann GmbH & Co. KG. Gut 70 Kubikmeter technisch getrocknetes Holz wurden auf diese Weise vorbereitet. Jede einzelne Leiste wurde dann in vier Durchläufen mit dem Keim Lignosil Colorsystem industriell beschichtet und getrocknet. „Zwischen den einzelnen Durchläufen haben wir den Trocknungsgrad immer wieder geprüft, um den optimalen Wert zu erreichen“, verrät Seidel. Dank dieser gründlichen Vorgehensweise blieben die Leisten trotz des viermaligen feuchten Farbauftrags durchwegs gerade. 

Kluge Nacharbeit sichert maximalen Erfolg
Fertig beschichtet und verpackt wurden die Latten im Anschluss per Lkw zur Astor GmbH SRL Holzbau transportiert. Im dortigen Werk übernahm der Holzbaubetrieb den letzten Beschichtungsschritt: „Grundsätzlich sollen scharfe Kanten vermieden werden, wenn sie farblich beschichtet werden. An scharfen Kanten entsteht die sogenannte „Kantenflucht“ vom Farbmaterial, wodurch dann deutlich weniger Farbe auf der scharfen Kante verbleibt und deutlich geringere Standzeiten hat wie auf einer abgerundeten Kante“, erläutert Seidel. Daher müssen die Leisten an den Fußpunkten nach dem industriellen Beschichtungsauftrag nochmals von Hand schräg hinterschnitten werden und die betreffenden Stellen mit dem Pinsel nachgearbeitet. „Das haben wir übernommen“, erzählt Aster.
Im Anschluss transportierten die Monteure das Material auf die Baustelle weiter und montierten die Leisten dort mit Zierkopfschrauben auf die vorgefertigte Unterkonstruktion. Insgesamt 85 Kilometer Fichtenholzlatten wurden auf diese Weise verbaut. Das macht summa summarum ganze 5.800 m2 Holzfassade, die Leiste für Leiste in Herrsching montiert wurden. 

…und lange Lebensdauer
Gut dabei: Vor Ort musste die Beschichtung nicht mehr nachbehandelt werden. Hier waren nur mehr kleinere Feinarbeiten notwendig. Auch künftig erfordert die Pflege der Fassaden im Lagom wenig Aufwand, da das verwendete Beschichtungssystem die physikalischen Eigenschaften des Holzes nicht verändert und es somit seine eigene Schutzfunktion behält. Auch UV-Strahlung beeinflusst das Beschichtungssystem nicht, sodass die Farbtöne nicht ausbleichen. Bei einem voraussichtlich erst in 15 Jahren notwendigen Renovierungsanstrich muss lediglich der Deckanstrich erneuert werden, wobei das Holz auch beim Überstreichen weiter diffusionsoffen bleibt. „Der Wartungsaufwand der mit Lignosil-Color beschichteten Fassade entspricht somit dem einer Putzfassade“, freut sich Architektin Muhr. Damit harmoniert die Holzbekleidung perfekt mit den verputzten Fassaden der Anlage. Diese wurden mit WDVS Keim Aquaroyal mit EPS und Mineralwolldämmung  bekleidet, einem System, dass sich durch eine außergewöhnlich hohe Diffusionsfähigkeit System auszeichnet. Es ist fungizid- und biozidfrei, kommt komplett ohne Giftstoffe aus und besitzt die Fähigkeit, sich an der Oberfläche ansammelnde Feuchtigkeit aufzunehmen und in Form von Wasserdampf abzugeben. Da die Feuchtigkeitsabgabe viermal so schnell erfolgt wie die Aufnahme, bietet das System Algen und Moosen weniger Angriffsfläche und bleibt somit lange schön. Beste Voraussetzungen also, um den hohen Anspruch des neuen Wohnquartiers zu erfüllen: „Wohlfühlen für Fortgeschrittene“.
 
 

Weitere Referenzen

Auszeichnung

Wir gehören zu den besten…

NEU - Nachhaltigkeitsdatenblätter

Schneller und transparenter Überblick…