Der etwas andere Biergarten

Objektbeschreibung:
Die Traditionsgaststätte „Zum Franziskaner“ liegt mitten in München, direkt gegenüber der Staatsoper und in Laufweite zu den Edelmeilen Maximilian- und Theatinerstraße, und gehört seit jeher zu den Lieblingslokalen der Münchner Promis. Besonders die politische Prominenz lässt sich gerne im „Franziskaner“ bewirten – erst recht nach dem umfangreichen Neu- und Umbau!

Im Jahr 2002 ging die Nymphenburg Immobilien AG als Eigentümerin notwendige Umbauarbeiten an und ließ anstelle des Flachbaus mit Stüberl und Schwemme einen mehrgeschossigen Neubau mit Natursteinfassade und neoklassizistischen Elementen errichten.
Das neue Stüberl ist ein heller Raum mit Bistro-Tischen entlang den Wänden und deckenhohen Fenstern, die viel Licht ins Innere lassen und den Blick frei geben auf die Straße. Einige Stufen höher angelegt ist die Schwemme, mit dunklem Holz dreiviertelhoch getäfelt und einladenden Sitzecken sowie freistehenden Tischen, darunter auch der große runde Stammtisch, der in einem Traditionslokal natürlich nicht fehlen darf! Die Attraktion des neuen Franziskaner jedoch ist der Innenhof des Häuserblocks, der als Edelbiergarten neu erschlossen wurde. Dass dieser Raum auf einer Grundfläche von 11 m x 11 m Besonderes bieten hat, zeigt sich zum einen an seiner Regensicherheit – per Knopfdruck fährt eine große, lichtdurchlässige Plane über eine leichte Konstruktion, die in lichter Höhe angebracht ist, zum anderen an der komfortablen Fußbodenheizung, die ungemütliches Frösteln gar nicht erst aufkommen lässt.

Zum wahren Idyll wird der Lichthof erst durch die Wandmalerei auf den umlaufenden Wänden. Sie verwandelt die Atmosphäre und räumliche Wirkung von Grund auf. Die Münchner Farbgestalter Ursula und Martin Benad überzeugen mit einem Entwurf, der die Elemente der Architektur des Vorderhauses aufnimmt und sich bei der Illusionsmalerei im oberen Teil der Wände streng an den Vorgaben des Bestandes orientiert. Als Vorlage für die Darstellung der Arkadenbögen dienten Rundbogenelemente aus dem vis à vis gelegenen Hofgarten, weshalb man den Innenhof mittlerweile auch „Franziskaner Hofgarten“ nennt. In der sich dahinter erstreckenden Landschaft werden Motive aus dem Englischen Garten interpretiert. Einzig bei der gemalten Glaskuppel auf dem zweiten oberen Wandabschnitt wurde in Ermangelung lokaler Vorbilder nicht auf ein vorhandenes Objekt Bezug genommen. Dennoch ist dies ein ungemein wichtiges Element, denn durch die Darstellung der Kuppel mit den blauen Himmelsflächen gelingt es, die Wand optisch aufzubrechen und den Blick freizugeben, das heißt den Raum zu weiten. Die Kuppel ist „anamorphotisch“ dargestellt: Sie erscheint dem Betrachter, der im Hof sitzt und seine Maß trinkt, perspektivisch korrekt, für den Büroangestellten jedoch, der im 4. Stock arbeitet und aus dem Fenster schaut, ergibt sich ein anderes, in der Perspektive kaum realistisch wirkendes Bild.
Ein weiteres Gestaltungselement ist das Hauptbild im unteren Teil der rechten Wand; durch das hier dargestellte landschaftliche Motiv öffnet sich dem Gast ein Blick in nahezu grenzenlose Weite.

Ausgeführt wurde die Wandmalerei durchgehend in Lasurtechnik. Die hier verwendeten Lasurfarben haben eine geringere Sättigung als natürliche Farbtöne, wodurch die Malerei zart und leicht wirkt und sich dem Betrachter nicht aufdrängt. Die durchsichtigen bis halbtransparenten Farbschichten lassen den Untergrund mehr oder weniger durchscheinen und schaffen Plastizität, Tiefe und räumliche Wirkung.
Zur Anwendung kamen Keim Silikatfarben auf Keim Universalputz und zweifachem Anstrich mit Granital sowie einer Grundierung mit verdünntem Spezial-Fixativ. Alle Wandflächen außer in den Bereichen Kuppel und Hauptbild erhielten eine zweifache Lasur in lichtem Gelb-Ocker. Die Architekturmalerei, die gegenständliche Malerei, die Linierungen und die Schriftenmalerei wurden mit Keim Lasur-Konzentraten plus Spezial-Fixativ ausgeführt. Die mineralischen Lasurbeschichtungen von Keim sind absolut lichtecht und haben dank ihrer matten Optik und der Farbpalette eine edle und natürliche Anmutung, die auch den Eindruck eines echten Freskos hervorrufen kann.

Ursula und Martin Benad sind seit 1996 als selbständige Farbdesigner in München tätig. Mit dem „Franziskaner Hofgarten“ ist ihnen ein Biergarten der besonderen Art gelungen: Innen und Außen, Illusionsmalerei und die Illusion im Freien zu sitzen gehen hier eine perfekte Symbiose ein. In kongenialem Zusammenspiel mit Klimatechnik und Architektur entstand so Münchens erster Ganzjahres-Biergarten - nahezu unabhängig von der Witterung.

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