Ein Denkmal wird gedämmt

Produkte:

  • KEIM Klassik-MW WDV-System
  • KEIM Pulverkleber-90 zur Armierung
  • KEIM Brillantputz Glattputz als Oberputz
  • KEIM Soldalit als Anstrich

Bauherr: 
Nibelungen Wohnbau GmbH
Freyastr. 10
38106 Braunschweig
Ansprechpartner Hr. Bode

Fachhandwerker: 
Gustav Borrmann GmbH & Co. KG
Gördelingerstraße 8/9 
38100 Braunschweig
 

Ein Denkmal wird gedämmt
Wärmedämmverbundsystem an erhaltungswürdiger Substanz

(Ein Baustellenbericht von Florian Guder, KEIM Andwendungstechnik)

Die energetische Ertüchtigung einer denkmalgeschützten Fassade mit historischer Putztechnik ist eine anspruchsvolle Aufgabe, bei der es gilt, das Schöne zu bewahren und mit dem Nützlichen zu verbinden.

Das Torhaus des unter Ensembleschutz stehenden und mehrere Straßenzüge umfassenden Gebäudekomplexes in der Braunschweiger Nordstadt sollte als Pilotprojekt mit einem WDV-System versehen werden. Die Putzfassaden aus den 30er-Jahren waren mit einer besonderen Kammzugtechnik gearbeitet, die es auf der Oberfläche der Wärmedämmung nachzustellen galt. Dank umfangreicher Vorplanungen, der richtigen Materialwahl, einer fachlich hochwertigen Ausführung und der guten Zusammenarbeit aller am Bau Beteiligten konnte das Projekt erfolgreich umgesetzt werden.

Zu Beginn der Planungen waren die mittlerweile auch in den Medien präsenten Oberflächentechniken auf WDV-Systemen noch nicht in aller Munde. Inzwischen benutzen Planer, Bauherren und Systemhausbauer gerne altbewährte Putztechniken, um sie mit traditionsbewussten Fachhandwerkern auf moderne Oberflächen zu projizieren. Denn es sind nicht zuletzt die handwerklichen Traditionen, die einen reichen Schatz an Gestaltungsmöglichkeiten bieten und immer neue Variationen des Altbekannten hervorbringen.

Beratungen und Empfehlungen
Zunächst wurde der Vorschlag der Putzgestaltung im Rahmen der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung durch den Systemhersteller bestätigt. Im nächsten Schritt wurden erste Musterplatten erstellt und dem Bauherrn sowie der Denkmalschutzbehörde zur Ansicht vorgestellt. Die Putzmuster wurden großformatig und senkrecht stehend angefertigt, um die realen Bedingungen zu imitieren und die besondere Situation am Objekt widerzuspiegeln. So lässt die Schwerkraft mitunter Putzpartikel abfallen, wodurch unwillkürliche Putzirritationen entstehen, wie sie auch das historische Vorbild aufweist. Durch die historisch belegte Verwendung mineralischer Putze und altbewährter Mineralfarben konnten Auftraggeber und Entscheidungsträger im ersten Durchgang für ein WDV-System aus dem Hause KEIM gewonnen werden.

Den Zuschlag zur Ausführung erhielt der Malerfachbetrieb Gustav Borrmann GmbH & Co. KG, ein regional tätiges Unternehmen mit dem erforderlichen Know-how in Sachen Wärmedämmung und handwerklichen Spezialisten für historische Putztechniken.

Kleben und Dübeln:
Schon bei der Planung des Gerüstbaus wurde der Abstand des Gerüsts zur fertigen Fassade durch entsprechende Konsolen bestmöglich auf die besondere Putztechnik abgestimmt. 

Zur Ausführung kam ein mineralisches WDV-System mit reduzierter Dämmstoffdicke, weil die Fenster im Bestand nicht ausgebaut und hinsichtlich der Lage im Baukörper nicht verändert wurden. Der Denkmalschutzbehörde war es ein besonderes Anliegen, das Aussehen des Gebäudes und den Charakter der Fassade trotz Dämmung zu erhalten.
So wurde auf der Straßenseite mit 40 mm dicken Mineralwolle-Lamellen, auf der Rückseite, den fensterlosen Giebelflächen und anderen untergeordneten Bereichen mit 130 mm dicken Mineralwolle-Dämmplatten in einem geklebten und gedübelten System gedämmt.

Der historische Bestandsputz wurde als tragfähiger Untergrund weitestgehend erhalten, die Wülste der Kammzugtechnik behinderten die erforderliche Dämmplattenverklebung nicht. Die Mineralwolle-Lamellen wurden vollflächig mit einer Klebebettdicke von ca. 8 bis 10 mm verklebt. Die Mineralwolle-Dämmplatten wurden zusätzlich gemäß allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung statisch relevant gedübelt.

Im Anschluss wurden die Flächen in einer Schichtdicke von ca. 4 mm mit einem mineralischen Armierungsmörtel armiert. Verwendet wurde eine Glasfaser-Gittermatte mit einer Maschenweite von 4 mm × 4 mm.

Putztechnik 
Zur optischen Gestaltung von Fassaden mit WDV-System gibt es neben den klassischen Putzqualitäten Rau, Rille und Glattputz und den damit verbundenen händischen oder maschinellen Auftragsweisen auch besondere Gestaltungsmöglichkeiten in Form von Modellierung, Kellenwurf, Kammzug, Besenstrich und dergleichen mehr. Die gängigen modernen Putzqualitäten und Körnungen erzeugen hierbei die unterschiedlichsten Muster und Strukturen.
Die Basis zur Nachstellung der am Objekt vorhandenen historischen Putztechnik war ein geschmeidiger, nicht zu fester Oberputz mit einer ausgewogenen Sieblinie. Dieser Putz war leicht strukturierbar und blieb in der Form scharf, ohne dabei abzusacken. 

Dank des richtigen Gerüstabstands konnte nach Fertigstellung der Armierungsschicht die Putztechnik mit eigens angefertigten „Schmetterlingen“ leicht an den Gerüstleitern vorbeigeführt werden. Nachdem gemäß dem historischen Vorbild keine präzise Linienführung gewünscht war, zogen die Fachhandwerker die Strukturen aus freier Hand. So konnten auch Strukturübergänge in besonders schwer zugänglichen Bereichen, wie z. B. Gerüstlagen, Gerüststeher leicht kaschiert werden.

Die zweifache Beschichtung erfolgte mit einer Farbe auf Sol-Silikatbasis KEIM Soldalit, die ausschließlich mit lichtechten anorganischen Pigmenten hergestellt wird. KEIM garantiert für seine "Klassiker" in der Fassadenbeschichtung eine 20-jährige Farbtonkonstanz an der Fassade für pigmentbedingte Farbtonveränderungen. Eine Sicherheit, die der Bauherr in der Planung und Gestaltung erwarten darf. 

Schönheit, Funktion und Technik
Mit der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts haben die Fachhandwerker ihr Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt und die Erwartungen übertroffen. Die Flächen fügen sich wie selbstverständlich in den noch ungedämmten Gebäudebestand des Ensembles ein, als hätte nur eine rein anstrichtechnische Modernisierung stattgefunden. Das Ziel, eine energetische Optimierung zu schaffen, die am Gebäude möglichst wenig ablesbar sein sollte, wurde voll und ganz erreicht. Heute kann der Unterschied nur noch an der Farbe festgemacht werden: hier die beiden brillanten, mineralischen Rottöne gegenüber dem verblichenen Blassgrau des Bestands.

Das klassische „Schießscharten“-Thema konnte nicht zuletzt durch die Wahl einer Dämmstärke mit Augenmaß verhindert werden. Dies soll kein grundsätzlicher Appell gegen stetig steigende Dämmstoffdicken im Bereich energetischer Sanierungen sein. Doch gerade bei der Sanierung von Bestandsgebäuden sollte nicht zwangsläufig die maximale Dämmstoffdicke ausgeführt werden.

Die frisch gedämmten Fassaden im Braunschweiger Norden beweisen eindrucksvoll, dass historische Werkstreue und schlichte Schönheit mit modernen energetischen Erfordernissen im Wohnungsbau vereinbar sind. Die Zukunft wird zeigen, ob altbewährte Handwerkstechniken einen „Relaunch“ erfahren und wieder einen festen Platz an der Fassade einnehmen werden. Für die Fassadengestaltung wäre dies zu begrüßen.

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