Döckerhaus Stuttgart

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KEIM Purkristalat®-System

Das Einzelne und das Ganze –- mit der Stuttgarter Siedlung Viergiebelweg entstand 1921 bis 1923 ein farbiges Hausensemble mit System. Jetzt ist das erste Gebäude saniert.

Die zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren spannende Jahre, zumindest in der Architektur. Damals setzte sie zum großen Sprung an, der in der Blüte der Moderne gipfelte. Die Inkunabeln dieser Zeit sind mit Namen wie Le Corbusier, Gropius oder Mies van der Rohe verbunden.

Doch auch die Zeit unmittelbar davor erweist sich bei genauerer Betrachtung als hoch interessant, es ist die Zeit, in der Architekten nach einer neuen Sachlichkeit innerhalb der traditionellen Formensprache suchten. Richard Döcker (1894-1968) ist einer dieser Baumeister. 1921-23 plant er auf dem Stuttgarter Kesselrand die Siedlung Viergiebelweg, bestehend aus fünf Doppelhäusern und 16 Einzelhäusern, die mit ihrer Höhenstaffelung die Topografie des Hanges aufnehmen. Mit diesen 21 Gebäuden zielt der Architekt auf den möglichst effizienten Einsatz der Mittel ab, die Bauform ist sachlich, knapp und schnörkellos, das Satteldach über den einfachen Kuben zeigt keine Auf- oder Ausbauten, um die Dächer möglichst wartungsfrei zu halten. Drei Haustypen mit variierenden Nutzflächen und Grundrissen realisiert Döcker und gibt allen Bauten charakteristische Kolorierungen. Döcker nutzt die Farbe systematisch– in mehrfacher Hinsicht. Zunächst unterscheidet er die drei Haustypen farblich, dann verbindet er einzelne Hausgruppen, die sich an den jeweiligen Straßen entlang reihen, zu topografischen Kleingruppen. „Ein Haus kann ohne das andere nicht bestehen, sie sind als Teile eines Ganzen erst zu begreifen“, erklärte Döcker damals. Jede Gruppe zeigt eine charakteristische Farbkombination für die vier Hausseiten – wobei Döcker mit so genannten „gestimmten“ Farben die Schauseiten der einzelnen Bauten als Aufhellungsreihen darstellt. Als dritte Dimension des Farbkonzeptes ist schließlich die Vierfarbigkeit der Gebäude zu sehen: „Die warmen Farbtöne sind nach der Südseite, die kalten nach der Schattenseite der Häuser“ orientiert.

Erst seit Frühjahr 2003 lässt sich diese Farbidee wieder an einem Haus exemplarisch betrachten. Denn obwohl die Farbstrategie und die Farbkomposition Döckers seit Jahren bekannt ist, war bislang keines der unter Denkmalschutz stehenden und in Privatbesitz befindlichen Bauten authentisch saniert worden. Nur für das Haus Birkenwaldstraße 191 nahm man nun erstmals eine exakte Befundung vor. Nach Westen zeigt sich das Haus mit seinen beiden Vollgeschossen hellgrau, nach Norden mit einem satten Blau, die Ostseite ist in einem bräunlichen Rot und die Südseite warmgelb gefasst. Auch die Innenräume unterzog man im Rahmen der Sanierung einer Befundung und konnte ein sehr vielfältiges Farbkonzept ermitteln, das die verschiedenen Räume vierfarbig fasste.

Allerdings stellte man diese ursprüngliche Polychromie des Interieurs nicht mehr her, ersetzte sie durch neutrales Weiß mit schwarzen Böden aus Linoleum. Ganz anders das Äußere: Einst mit silikatischen Farben von Keim gestrichen, griff man bei der Sanierung ebenfalls auf die Produkte aus Diedorf zurück. Während andere Farbenhersteller die nach NCS ausgemusterten Nuancen nur mit großen Abweichungen realisieren konnten, gelang Keim dank manueller Abmischung eine hohe Authentizität. Ebenso original gelang die Neuverputzung des Gebäudes, für das noch die ursprüngliche Rezeptur und die damals verwendeten Rohstoffe zur Verfügung standen. Abplatzungen und Lagerfugenrisse machten die Neuverputzung des Hohlmauerwerkes (Ziegelschicht – Luftschicht - Ziegelschicht) notwendig.

Die Wiederherstellung des Wohngebäudes konnte viele positive Stimmen verbuchen – auch aus der unmittelbaren Nachbarschaft, in der alsbald eine weitere Restaurierung anstehen dürfte.
 
Beteiligte:

Herbert Hummel
(Sanierungsarchitekt)
Kielmeyerstrasse 4
70191 Stuttgart
Tel. 0711 - 2569306
Fax. 0711 - 2566245
E-Mail info@architekt-hummel.de
www.architekt-hummel.de

Ulrike Piper
(Befundung)
Teambau Service, Stuttgart
(Ausführung Neuverputz)
Malerwerkstätten Heinrich Schmid, NL Albstadt
(Ausführung Anstrich)

Weitere Referenzen

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